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Spirituelle Grundregeln

Desiderata Die Lebensregeln von Baltimore
Gehe gelassen mitten durch Lärm und Hast dieser Zeit
Und sei dir bewusst, was für ein Frieden in der Stille sein kann.
Versuche mit allen Menschen so weit wie möglich gut auszukommen, jedoch ohne dass du dich selbst verrätst.
Sage deine Wahrheit ruhig und klar und höre den anderen zu,
denn auch die Törichten und Unwissenden haben ihre Geschichte
Freue dich darüber, was du erreicht hast, ebenso über deine Pläne.
Bleibe an deiner Entwicklung interessiert, bleibe aber bescheiden. Das Wachstum ist ein wirklicher Besitz in dem wechselnden Glück der Zeit.
Sei sorgfältig in deinen Geschäftsangelegenheiten; denn die Welt ist voller Hinterhältigkeit,
aber lasse dich dadurch nicht blind machen für Menschen mit Tugenden. Viele Menschen kämpfen für hohe Ideale und überall ist das Leben voller Heldentum.
Sei du selbst. Besonders täusche keine Zuneigung vor. Sei auch nicht zynisch über die Liebe;
denn angesichts der Trockenheit und Enttäuschung des Lebens ist die Liebe dauerhaft wie das grüne Gras. Nimm den Rat der Alten freundlich auf und gib dankbar deine Dinge der Jugend weiter.
Die gewachsene Kraft des Geistes bewahrt dich, wenn Du plötzlich in Unglück gerätst,
aber quäle dich nicht mit Trugbildern. Viele Ängste werden durch Müdigkeit und Einsamkeit geboren. Neben einer guten Disziplin sei gütig mit dir selbst. Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger
als die Bäume und Sterne.
Du hast das Recht, da zu sein. Ob es Dir klar ist oder nicht, das Universum entwickelt sich ohne Zweifel so
wie es soll.Deshalb lebe in Frieden mit Gott, was immer du denkst oder du dir vorstellst, wer er sei, und was immer deine Bestrebungen auch sind in dem lauten Durcheinander des Lebens.
Halte Frieden mit deiner Seele. Bei all der Belastung, dem Kampf und den zerbrochenen
Träumen ist es doch eine wunderbare Welt.
Sei sorgfältig. Versuche mit aller Kraft glücklich zu sein.
(Max Ehrmann, 1872-1945)
Die Vierzehn Übungswege der Achtsamkeit von Thich Nhat Hanh
In seinem Bemühen, die Not der leidenden Menschen im Vietnamkrieg zu
lindern, initiierte der vietnamesischen Mönch, Dichter und Friedensaktivist Thich Nhat Hanh zum Wesak-Fest (Vollmond im Mai) des Jahres 1964 die
Gründung des buddhistischen Ordens Tiêp Hiên (InterSein, InterBeing). 'Tiêp' heißt 'in Berührung sein' und 'Hiên' bedeutet 'verwirklichen' und 'hier und jetzt
handeln'. Die Ordensmitglieder bemühen sich um einen 'engagierten Buddhismus' im Sinne des Bodhisattva-Ideals. Folgende Ordenssatzung soll dabei eine Orientierung geben:
- Im Bewusstsein des Leides, das durch Fanatismus und Intoleranz
entsteht, sind wir entschlossen, keine Lehrmeinungen, Theorien oder Ideologien, einschließlich der buddhistischen, zu vergöttern und diesen nicht anzuhaften. Buddhistische Lehren sind Hilfsmittel, die es
uns ermöglichen, durch tiefes Schauen, Verstehen und Mitgefühl zu entwickeln. Sie sind keine Dogmen, für die gekämpft, getötet oder gestorben werden sollte.
- Im Bewußtsein des Leides, das durch Anhaften an Ansichten und falschen Wahrnehmungen entsteht, sind wir entschlossen,
Engstirnigkeit zu vermeiden und uns nicht an unsere gegenwärtigen Ansichten zu binden. Wir wollen das Nicht-Anhaften an Ansichten üben, um für die Einsichten und Erfahrungen anderer offen zu sein.
Wir sind uns bewußt, daß unser derzeitiges Wissen keine unveränderliche, absolute Wahrheit ist. Da sich Wahrheit nur im Leben selbst findet, wollen wir in jedem Augenblick das Leben in uns
und um uns herum achtsam wahrnehmen und bereit sein,
ein Leben lang zu lernen.
- Im Bewußtsein des Leides, das durch das Aufzwingen von
Meinungen entsteht, sind wir entschlossen, niemandem - auch nicht Kindern - unsere Meinungen aufzunötigen, weder durch Autorität, Drohung, Geld, Propaganda noch Indoktrination. Wir wollen das
Recht anderer respektieren, anders zu sein und selbst zu wählen, an was sie glauben und wofür sie sich entscheiden. Wir wollen jedoch anderen in anteilnehmendem Gespräch helfen, Fanatismus und
Engstirnigkeit zu überwinden.
- Im Bewußtsein, daß es uns helfen kann, Mitgefühl zu entwickeln und
Wege zur Überwindung des Leidens zu finden, wenn wir tief in die Natur des Leidens schauen, sind wir entschlossen, dem Leiden nicht aus dem Weg zu gehen oder die Augen davor zu verschließen. Wir
verpflichten uns, Kontakt mit denen zu suchen, die leiden. Auf diese Weise erlangen wir tiefes Verständnis für ihre Situation und verhelfen ihnen dazu, ihr Leiden in Mitgefühl, Frieden und Freude zu verwandeln.
- Im Bewußtsein, daß wahres Glück in Frieden, Festigkeit, Freiheit
und Mitgefühl wurzelt, nicht aber in Reichtum und Ruhm, sind wir entschlossen, unser Leben nicht auf Ruhm, Profit, Reichtum oder sinnliches Vergnügen auszurichten und auch keine Reichtümer
anzuhäufen, solange Millionen hungern und sterben. Wir verpflichten uns, ein einfaches Leben zu führen und unsere Zeit, Energie und materiellen Mittel mit denen zu teilen, die in Not sind. Wir üben uns,
achtsam zu essen, zu trinken und zu konsumieren und auf Alkohol, Drogen und andere Mittel zu verzichten, die uns und unserer Gesellschaft körperlich und geistig schaden können.
- Im Bewußtsein des Leides, das durch Haß und Ärger entsteht, sind
wir entschlossen, die Energie des aufsteigenden Ärgers achtsam wahrzunehmen, um seine in den Tiefen unseres Bewußtseins liegenden Samen zu erkennen und zu verwandeln. Wenn Ärger in uns
aufkommt, wollen wir nichts tun oder sagen, sondern achtsames Atmen und achtsames Gehen praktizieren und ihn annehmen, ihn mit unserer Achtsamkeit umarmen und tief in ihn hineinschauen. Wir
wollen lernen, diejenigen, die wir für die Verursacher unseres Ärgers halten, mit mitfühlenden Augen zu sehen.
- Im Bewußtsein, daß Leben nur im gegenwärtigen Augenblick
stattfindet und daß es nur im Hier und Jetzt möglich ist, glücklich zu leben, verpflichten wir uns zu der Übung, jeden Augenblick des täglichen Lebens in tiefer Bewußtheit zu leben. Wir wollen versuchen,
uns nicht in Zerstreuungen oder im Bedauern über die Vergangenheit oder in Sorgen über die Zukunft zu verlieren. Wir wollen uns in der Gegenwart nicht von Begehrlichkeiten, Ärger oder Eifersucht
gefangen nehmen lassen. Wir wollen achtsames Atmen üben, um zu dem zurückzukommen, was im gegenwärtigen Augenblick geschieht. Wir sind entschlossen, die Kunst des achtsamen Lebens zu
erlernen, indem wir die wunderbaren, erfrischenden und heilenden Kräfte berühren, die wir in und um uns herum vor finden. Indem wir den Samen der Freude, des Friedens, der Liebe und des Verstehens
in uns Nahrung geben,
fördern wir den Prozess der Transformation und Heilung in unserem Bewußtsein.
- Im Bewußtsein, daß ein Mangel an Kommunikation stets Trennung
bewirkt und Leiden schafft, verpflichten wir uns, mitfühlendes Zuhören und liebevolle Rede zu üben. Wir wollen lernen, tief zuzuhören, ohne zu bewerten oder zu reagieren, und wir wollen es unterlassen, Worte
zu äußern, die Zwietracht säen oder zu einem Bruch in der Gemeinschaft führen können. Wir wollen keine Anstrengung scheuen, um die Kommunikation aufrechtzuerhalten, zu versöhnen und
Konflikte zu lösen, so klein sie auch sein mögen.
- Im Bewußtsein, daß Worte sowohl Leid als auch Glück hervorrufen
können, wollen wir wahrhaftig und aufbauend reden lernen und nur so sprechen, daß Hoffnung und Vertrauen geweckt werden. Wir sind entschlossen, nichts Unwahres zu sagen, weder aus Eigeninteresse,
noch um andere zu beeindrucken. Wir wollen keine Nachrichten verbreiten, für deren Wahrheitsgehalt wir uns nicht verbürgen können und wir wollen nichts kritisieren oder missbilligen, worüber wir selber
nichts Genaues wissen. Wir wollen unser Bestes tun, Unrecht beim Namen zu nennen, selbst dann, wenn wir dadurch unsere eigene Sicherheit gefährden.
- Im Bewußtsein, daß die Übung des Verstehens und Mitfühlens Sinn
und Ziel einer Sangha ist, sind wir entschlossen, die Gemeinschaft weder zum Zwecke persönlichen Vorteils oder Gewinns zu benutzen, noch sie in ein politisches Instrument zu verwandeln. Eine spirituelle
Gemeinschaft sollte jedoch deutlich Stellung beziehen gegen Unterdrückung und Unrecht und sollte bemüht sein, entsprechende Zustände zu verändern, ohne sich in parteiliche Konflikte verstricken zu lassen.
- Im Bewußtsein, daß unserer Umwelt und Gesellschaft Gewalt und
großes Unrecht angetan worden ist, sind wir entschlossen, in unserem Lebenserwerb den Menschen und der Natur nicht zu schaden. Wir wollen unser Bestes tun und eine Lebensweise wählen,
die dazu beiträgt, unser Ideal von Verstehen und Mitgefühl zu verwirklichen. In Kenntnis der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Wirklichkeiten unserer Welt wollen wir uns als
Konsumentinnen und Konsumenten und Bürgerinnen und Bürger verantwortungsbewußt verhalten und nicht in Unternehmen investieren, die andere ihrer Lebensmöglichkeiten berauben.
- Im Bewußtsein, daß Kriege und Konflikte großes Leid verursachen,
sind wir entschlossen, in unserem täglichen Leben Gewaltlosigkeit, Verstehen und Mitgefühl zu entwickeln. Wir wollen innerhalb von Familie, Gesellschaft und Staat und in der Welt zur Erziehung zum
Frieden beitragen, bei Streitigkeiten in Achtsamkeit vermittelnd eingreifen und Versöhnung fördern. Wir sind entschlossen, nicht zu töten und es nicht zuzulassen, daß andere töten. Zusammen mit
unserer Sangha wollen wir uns in tiefem Schauen üben, um bessere Wege zum Schutz des Lebens und zur Verhinderung von Kriegen zu finden.
- Im Bewußtsein, daß durch Ausbeutung, soziale Ungerechtigkeit,
Diebstahl und Unterdrückung Leiden entsteht, verpflichten wir uns, liebende Güte zu pflegen und Wege zu beschreiten, die zum Wohlergehen von Menschen, Tieren, Pflanzen und Ökosystemen
beitragen. Wir wollen Freigebigkeit praktizieren, indem wir unsere Zeit, Energie und materiellen Mittel mit denen teilen, die in Not sind. Wir sind entschlossen, nicht zu stehlen und nichts zu besitzen, was
anderen zusteht. Wir wollen das Eigentum anderer achten und werden andere davon abhalten, sich am menschlichen Leiden und am Leiden anderer Wesen zu bereichern.
- (Für Männer und Frauen im Weltleben): Im Bewußtsein, dass
sexuelle Beziehungen, die durch Begierde ausgelöst werden, das Gefühl der Einsamkeit nicht zum Schwinden bringen können, sondern noch mehr Leiden, Frustration und Einsamkeit hervorrufen, sind wir
entschlossen, ohne gegenseitiges Verstehen, ohne Liebe und ohne eine langfristige und verpflichtende Bindung keine sexuelle Beziehung einzugehen. Wir sind uns bewußt, daß sexuelle Beziehungen die
Ursache für zukünftiges Leid sein können. Wir wissen, daß wir unsere eigenen und die Rechte und Verpflichtungen anderer respektieren müssen, wenn wir unser eigenes und das Glück anderer
bewahren wollen. Wir wollen alles tun, was in unserer Macht steht, um Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen und um zu verhindern, daß Paare und Familien durch sexuelles Fehlverhalten
entzweit werden. Wir wollen unseren Körper rücksichtsvoll behandeln und unsere Lebensenergien (die sexuelle, den Atem, den Geist) der Verwirklichung unseres Bodhisattva-Ideals widmen. Wir wollen uns
der Verantwortung voll bewußt sein, neues Leben in die Welt zu setzen, und wir wollen die Welt, in die wir neue Wesen setzen,
zum Gegenstand unserer Meditation machen.
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